Steuern, Kindergeld & Co.

Neu 2020 – Zweites Corona-Steuerhilfegesetz:

Im zweiten Corona-Steuerhilfe gesetz wurde der steuerliche Entlastungsbetrag für Alleinerziehende von 1908 Euro pro Jahr auf 4008 Euro pro Jahr für 2020 und 2021 erhöht. Für jedes weitere Kind erhöht sich der Betrag noch einmal um 240 Euro.

Den Entlastungsbetrag kann man entweder mit der Einkommensteuererklärung beantragen oder sofort als Lohnsteuer-Ermäßigung über die Lohnsteuerklasse II erhalten.

Wer bereits Lohnsteuerklasse II mit den entsprechenden Entlastungsbeträgen pro Kind beantragt hat, bekommt den erhöhten Entlastungsbetrag 2020 automatisch angerechnet. Das müsste sich dann ab Juli 2020 bereits direkt auf dem Gehaltszettel nachprüfen lassen. Im Zweifelsfall wenden Sie sich an Ihr Finanzamt.

Achtung: Lohnsteuerklasse II und die Entlastungsbeträge pro Kind werden oft nur für zwei Jahre vom Finanzamt genehmigt. Prüfen Sie rechtzeitig, ob Sie einen neuen Antrag stellen müssen. Falls Sie in der Vergangenheit bereits Steuerklasse II hatten, aber zum Stichtag 26.06.2020 keine Steuerklasse II mehr gespeichert war, ist ein formloser Antrag an das Finanzamt zu senden.

Mehr Infos und eine genaue Anleitung gibt es hier:
Entlastungsbetrag für Alleinerziehende – finanztipp.de

Fragen und Antworten zum Entlastungsbetrag für Alleinerziehende – BMFSFJ

Infografik_Entlastungsbetrag – BMFSFJ

Die Steuerklassen:

Alleinerziehende können der Steuerklasse I oder II zugeordnet sein. Alleinerziehende können auch in Steuerklasse III oder V eingestuft sein, so getrennt lebende im Jahr der Trennung oder verwitwete Eltern, bis maximal im Folgejahr nach dem Tod des Ehepartners.

Steuerklasse I

haben Sie dann, wenn ihr Kind im gemeinsamen Haushalt lebt, aber keinen Anspruch mehr auf Kindergeld hat. Steuerklasse I haben Alleinerziehende auch dann, wenn eine weitere erwachsene Person mit im Haushalt lebt (z. B. die Oma, ein*e neue Partner*in, ein Untermieter ect.).

Steuerklasse II

In die Steuerklasse II sind Alleinerziehende dann eingestuft, wenn sie mit mindestens einem Kind, für das sie Kindergeld erhalten und ohne weitere erwachsene Person in einem Haushalt wohnen.

Achtung: Auch wer mit einem neuen Partner/neuer Partnerin, der Oma, der besten Freundin  zusammenzieht, wird wieder in Steuerklasse I eingruppiert. Vorsicht auch, wenn Sie z.B. eine Alleinerziehenden-WG gründen oder einen Untermieter aufnehmen: Sobald ein zweiter Erwachsener mit in die Wohnung zieht, haben Sie kein Anrecht mehr auf Steuerklasse II. Um trotzdem weiterhin in Steuerklasse II bleiben zu können, müssen Sie dem Finanzamt glaubhaft darlegen, dass keine gemeinsame Haushaltsführung mit der zweiten Person besteht. Das bedeutet: Sie müssen z.B. einen Untermietvertrag vorlegen und getrennte Abrechnungen.

Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende:
Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende beträgt 1.908 Euro im Jahr. Für 2020 und 2021 erhöht er sich auf 4008 Euro. Ab dem zweiten Kind erhöht er sich auf Antrag um jeweils 240 Euro pro weiteres Kind. . Der Entlastungsbetrag ist bereits in den Tarif der Steuerklasse II eingearbeitet, so dass Alleinerziehende bereits im laufenden Jahr weniger Steuern zahlen.

Alleinerziehende erhalten den Entlastungsbetrag bzw. die Steuerklasse II nur dann, wenn sie mit mindestens einem Kind, für das sie Kindergeld erhalten und ohne weitere erwachsene Person in einem Haushalt wohnen. Das Kind muss mit Haupt- oder Nebenwohnsitz bei dem alleinerziehenden Elternteil gemeldet sein.Wenn  das Kind zwei Wohnsitze hat, also bei einem Elternteil mit Haupt- und bei einem Elternteil mit Nebenwohnsitz gemeldet ist (z.B. im Wechselmodell), erhält der Elternteil Steuerklasse II, der auch das Kindergeld erhält.

Auch wenn volljährige Kinder, die noch in der Ausbildung sind (Schule, Lehre) und für die Anspruch auf Kindergeld besteht, mit im Haushalt leben, besteht Anspruch auf den Entlastungsbetrag. Der Erhöhungsbetrag für mehr als ein Kind muss gesondert beim Finanzamt beantragt werden. Dies hängt damit zusammen, dass die Zahl der Kinderfreibeträge, die als Lohnsteuerabzugsmerkmal berücksichtigt werden, nicht immer mit der Zahl der Kinder, die für den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende maßgeblich ist, übereinstimmt.

Um aus einer anderen Steuerklasse in die Steuerklasse II zu wechseln, müssen Sie beim Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung stellen.

Formular: „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung“ plus „Anlage Kind(er)“.
Tipps zum Ausfüllen:
Im Formular „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung“ sind für diesen Zweck Angaben zu den Verlusten oder Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse nicht erforderlich.
Bei der „Anlage Kind“ sind in diesem Zweck Angaben zum Schulgeld oder zur Abgeltung Sonderbedarf nicht erforderlich.

Überprüfen Sie, ob Ihnen das Finanzamt den Entlastungsbetrag im Steuerbescheid ausgewiesen hat.

Steuerklasse V im Trennungsjahr

Viele getrennt lebende Frauen, die noch verheiratet sind, bleiben in der Steuerklasse V. Während des Zusammenlebens mit dem Ehepartner kann dies durchaus ein steuerlicher Vorteil gewesen sein, ab der Trennung ist das jedoch nicht mehr der Fall. Alleinerziehende sollten mit dem Zeitpunkt der Trennung sofort beim Finanzamt die getrennte steuerliche Veranlagung beantragen. Das ist auch mit der Steuererklärung für das vorangegangene Jahr noch möglich. Es ist deshalb wichtig, weil sich alle Lohnersatzleistungen, also zum Beispiel das Elterngeld und das Arbeitslosengeld I am Nettoeinkommen orientieren und entsprechend deutlich niedriger ausfallen, wenn aufgrund der Einstufung in die Steuerklasse V das Nettoeinkommen sehr niedrig ist. Es gibt auch die Möglichkeit, dass beide Ehepartner/innen ihre tatsächlichen Anteile am Gesamteinkommen mit dem so genannten Faktorverfahren versteuern.

Kindergeld & Kinderfreibetrag

Kindergeld

Das Kíndergeld ist eine steuerliche Ausgleichsahlung und soll die steuerliche Freistellung des Existenzminimus von Kindern sichern.

Kindergeld muss bei den Familien­kassen der Arbeitsagenturen vor Ort schriftlich beantragt werden.

Eltern erhalten für ihr erstes und zweites Kind im Jahr 2020 jeweils 204 Euro Kindergeld pro Monat. Für das dritte Kind beträgt das Kindergeld 210 Euro und für weitere Kinder 235 Euro. Ab 2021 erhöht sich das Kindergeld für Kind 1 und 1 auf 219 Euro, für das dritte Kind auf 225 und für jedes weitere Kind auf 250 Euro.

Kindergeld wird bis zum 18. Geburtstag ohne Rücksicht auf eigenes Einkommen bezahlt. Vom 18. – 25. Lebensjahr muss sich das Kind für einen Anspruch auf Kindergeld in Ausbildung oder in einem der gesetzlich geregelten Freiwilligendienste oder in einem Studium befinden. Für Kinder, die wegen fehlendem Ausbildungsplatz eine Berufsausbildung nicht beginnen oder fortsetzen können, gelten die Regelungen für Kinder in der Ausbildung. Für arbeitslose Kinder wird bis zum 21. Lebensjahr Kindergeld gezahlt.
Kinder, die eine zweite Ausbildung oder Studium absolvieren, werden berücksichtigt soweit sie nicht mehr als 20 Wochenstunden arbeiten und die Altersgrenze noch nicht überschritten haben.
Für Kinder mit Behinderungen, die sich nicht selbst unterhalten können, kann der Anspruch auf Kindergeld über das 25. Lebensjahr hinausgehen. In Einzelfällen ist das mit der Familienkasse zu klären.

Getrennt lebende Eltern haben Anspruch auf jeweils die Hälfte des Kindergelds. Aus diesem Grund haben sie pro Kind einen halben Kinderfreibetrag auf der Lohnsteuerkarte ausgewiesen. Die Verrechnung des Kindergeldes erfolgt nach dem Prinzip des „Halbteilungsgrundsatzes“: Der Elternteil, in dessen Haushalt das Kind lebt, erhält den vollen Betrag des Kindergeldes. Dafür erhält das Kind einen um die Hälfte des Kindergeldes reduzierten Unterhaltsbetrag von dem Elternteil, der zum Barunterhalt verpflichtet ist. Damit hat der barunterhaltspflichtige Elternteil seine Hälfte am Kindergeld behalten.

Freibeträge für Kinder

Die Freibeträge für Kinder setzen sich zusammen aus einem Freibetrag für das sächliche Existenzminimum des Kindes in Höhe von 5172 Euro pro Jahr und
einem Freibetrag für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung in Höhe von 2.486 Euro pro Jahr. Zusammen betragen die Freibeträge für Kinder 7.812 Euro.
Für Alleinerziehende, also getrennt lebende und geschiedene Eltern, betragen sie je Elternteil 3.810 Euro. So ist das „halbe“ Kind auf der Lohnsteuerkarte zu erklären.
Die Freibeträge für Kinder haben die gleiche Funktion wie das Kindergeld – sie stellen das Existenzminimum eines Kindes steuerfrei und treten ab einer bestimmten
Höhe des Einkommens (ab rund 30.000 Euro im Jahr bei Alleinerziehenden, ab rund 60.000 Euro im Jahr bei Verheirateten) an die Stelle des Kindergelds. Die Finanzämter prüfen bei der Einkommenssteuererklärung, ob das Kindergeld eine ausreichende Steuerfreistellung bewirkt hat oder ob die Freibeträge angerechnet werden. Auf dem Steuerbescheid ist dann vermerkt, ob das Kindergeld oder der Freibetrag zur Anrechnung gekommen ist.

Alleinerziehende können beim Finanzamt die Übertragung des halben Kinderfreibetrags vom anderen Elternteil auf ihre Lohnsteuerkarte beantragen, wenn der/die Barunterhaltspflichtige zu weniger als 75 Prozent seine/ihre Unterhaltsverpflichtung leistet. Das gilt auch in Fällen mangelnder Leistungsfähigkeit des Unterhaltsverpflichteten. Zahlt also der Elternteil, der nicht mit dem Kind zusammenlebt, weniger als 75 Prozent des Unterhalts, muss das Finanzamt der/m Alleinerziehenden den ganzen Freibetrag eintragen, was sich dann auch steuermindernd bei der Berechnung von Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer auswirkt.
Eine Übertragung scheidet allerdings für Zeiträume aus, in denen Unterhaltsleistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz gezahlt werden. Auch scheidet eine Übertragung aus, wenn der andere Elternteil widerspricht, da er Kinderbetreuungskosten trägt oder das Kind in einem nicht unwesentlichen Umfang betreut.

Verwitweten Alleinerziehenden, oder in Fällen, in denen Vater oder Mutter des Kindes nicht auffindbar sind oder unbekannt, steht Alleinerziehenden der volle Freibetrag bzw. das volle Kindergeld zu, solange sie keinen Unterhaltsvorschuss für das Kind erhalten.

Steuertipps

Kinderbetreuungskosten
Eltern können Kinderbetreuungskosten für Kinder, die noch nicht das 14. Lebensjahr vollendet haben, steuerlich als Sonderausgaben absetzen. Das Finanzamt erkennt zwei Drittel der tatsächlich entstandenen Kosten für Kita oder Tagesmutter(-vater) an, maximal pro Kind 4.000 Euro im Jahr. Die Kosten sind mit Belegen nachzuweisen. Barzahlung wird vom Finanzamt nicht akzeptiert. Die angerechneten Betreuungskosten zieht das Finanzamt im Rahmen der jährlichen Steuererklärung vom Gesamtbetrag der Einkünfte ab und weist dies im Steuerbescheid aus.

Ausbildungsfreibetrag
Für Kinder bis zum 25. Lebensjahr, die auswärts leben und für die Sie Kindergelder halten, haben Sie einen Anspruch auf einen zusätzlichen Ausbildungsfreibetrag in Höhe von 924 Euro. Die Einkünfte des KIndes werden dabei nicht angerechnet.

Unterhalt absetzen
Erhälten Sie für ein Kind kein Kindergeld, zahlen aber Unterhalt, z.B. weil es in einer anderen Stadt studiert, können Sie diesen bis zu 9168 Euro/ Jahr als außergewöhnliche Belastung absetzen, plus Kranken- und Pflegeversicherung. Auch wenn das Kind schon älter ist als 25 Jahre. Verdient das Kind selbst über 624 Euro/Jahr, wird der Betrag darüber vom Belastungshöchstbetrag abgezogen.