Dokumentation der digitalen VAMV-Fachtagung am 1. Oktober 2021

Lehren aus der Coronakrise: Bessere Politik für Alleinerziehende

Die Corona-Krise hat die Sollbruchstellen in unserer Gesellschaft stärker ins Licht gerückt, so auch die strukturelle Benachteiligung von Frauen und insbesondere von Alleinerziehenden. Diese schultern zumeist allein Existenzsicherung, Kindererziehung und Hausarbeit. Die häufig in einer Paarfamilie gemeinsam getroffene Entscheidung, dass Mütter ihre Arbeitszeit zugunsten der Kinder reduzieren, wird dann nach einer Trennung zum Bumerang, wenn ihnen eine existenzsichernde Rückkehr in den Arbeitsmarkt aufgrund fehlender Rahmenbedingungen nicht möglich ist. Daher hatten Alleinerziehende schon vor der Krise das höchste Armutsrisiko aller Familienformen.

Die Existenzsorgen vieler Alleinerziehender und die alltäglichen Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat die Corona-Krise weiter potenziert. Der Wegfall der Kinderbetreuung schränkte ihre Erwerbsmöglichkeiten über längere Zeit erheblich ein, der Spagat zwischen Erwerbsarbeit und Homeschooling brachte Alleinerziehende an ihre körperlichen und gesundheitlichen Grenzen. Die Politik ist nun mehr denn je gefordert, wirksame Maßnahmen auf den Weg zu bringen, um die Lebensbedingungen von Alleinerziehenden und ihren Kindern nachhaltig zu verbessern. Deutlich geworden ist: Einzelmaßnahmen reichen nicht aus. Es müssen ressortübergreifend Arbeitswelt, Infrastruktur für Familien, Sozial- und Familienleistungen zusammengedacht werden. Diese gilt es auf die Lebenssituation von allen Familienformen abzustimmen.

Vorträge: Kerstin Ruckdeschel, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung; Dr. Gisela Notz, Historikerin und Sozialwissenschaflerin

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