8. Bayerische Armutskonferenz

VAMV-Pressemitteilung vom 02. August 2016

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„Klarer politischer Wille zur Armutsbekämpfung ist nötiger denn je!“  

„In Bayern wird Armut gern kleingeredet“, kritisiert Margit Berndl, Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege Bayern, anlässlich der heutigen 8. Armutskonferenz.  Derzeit diskutieren 120 Fachleute aus der Sozialen Arbeit gemeinsam mit Betroffenen, Wissenschaftlern und den Landtagsabgeordneten Joachim Unterländer und Doris Rauscher, wie Armut wirkungsvoll bekämpft werden kann.

1,7 Millionen Menschen in Bayern sind von Armut bedroht! Das sind 14,3 Prozent der Bayerischen Bevölkerung. Die Zahl nimmt seit Jahren zu – trotz wirtschaftlich  guter Zeiten. Im Vergleich mit den anderen Bundesländern steht Bayern gut da. „Nur weil die Situation woanders schlechter ist, heißt das nicht, dass in Bayern die Welt für alle in Ordnung ist. 1,7 Millionen Menschen – das ist eine enorme Zahl, die die Politik nicht einfach übersehen darf!“, so Berndl.

Besonders betroffen sind Familien mit vielen Kindern, Alleinerziehende, Arbeitslose, Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund. Diese 1,7 Millionen Menschen haben weniger als 973 Euro pro Monat zur Verfügung. „Bedenkt man, wieviel dafür allein für die Miete ausgegeben werden muss – die vor allen Dingen in den  Metropolregionen horrend ist –, wird klar, dass es gerade für das Allernötigste zum Leben reicht“, so Berndl. Armut sei mehr als nur Einkommensarmut. Zu Armut  gehöre auch das Schamgefühl zum Amt zu gehen, das Gefühl, versagt zu haben und seinen Kindern keine Perspektiven bieten zu können, die Ohnmacht der Bürokratie  gegenüber. „Dass das zermürbt und Menschen kaputt machen kann, kann man sich vorstellen. Armut macht krank, einsam und grenzt aus. Und: Arme Menschen  sterben im Durchschnitt zehn Jahre früher“, so Berndl.

Armut ist weiblich

Frauen sind deutlich häufiger als Männer von Armut betroffen. „Die höchsten Armutsrisiken für Frauen sind Scheidung und Alter“, so Berndl. Frauen sind weniger  erwerbstätig und werden schlechter bezahlt. Wenn die Löhne für Frauen niedriger sind, so sind es auch alle daran geknüpften Leistungen: Elterngeld,  Arbeitslosengeld,  die Rente. Deshalb ist das Risiko für sie größer, in Armut abzurutschen.

Die höchste Armutsgefährdungsquote in Bayern haben Alleinerziehende mit 42 Prozent. 50 Prozent ihrer Kinder erhalten keinen Unterhalt, 25 Prozent weniger als  ihnen zusteht. „Darin liegt ein wesentlicher Grund, warum Alleinerziehende und ihre Kinder so oft arm sind“, erklärt Helga Jäger, Geschäftsführerin des Bayerischen  Verbands alleinerziehender Mütter und Väter, und verweist auf eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung. Der so genannte Unterhaltsvorschuss ist zeitlich befristet  und endet spätestens mit dem 12. Lebensjahr des Kindes. Obwohl viele Alleinerziehende erwerbstätig sind, reicht das Einkommen nicht aus. „Wir fordern eine  Reform des Unterhaltsvorschussgesetzes und eine Kindergrundsicherung, die alle bisherigen Leistungen für Kinder zusammenfasst“, so Jäger.

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