Länger Kindergeld – auch bis zum Masterabschluss

News vom 24. November 2015

Die Familienkasse zahlt Kindergeld bis zum Ende der Erstausbildung. Dazu zählt nach einem neuen Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) auch das Masterstudium zur Erstausbildung, das an einen Bachelor-Abschluss anschließt.

Bisher gilt: Spätestens mit Ende der Erstausbildung, allerspätestens am 25. Geburtstag war Schluss mit der Förderung. Familien müssen zudem darauf achten, dass erwachsene Kinder nicht zu viel arbeiten – bei mehr als 20 Stunden pro Woche ist die Förderung weg.
Aber: Ein neues Urteil des BFH München hat diese Deckelung jetzt gekippt und Eltern großzügigere Chancen beim Kindergeldanspruch eröffnet (AZ BFH, VI R 9/15).

Die rechtliche Lage beim Kindergeldanspruch ist ziemlich verzwickt. Ein erster Berufsabschluss bedeutet nicht zwangsläufig das Ende der Erstausbildung. Aber Vorsicht bei Überbrückungszeiten, nach vier Monaten Lücke ist meist Schluss mit der Förderung:

Lässt sich z.B. ein junger Mann erst zum Elektroniker ausbilden, meldet sich gleich nach der Lehre zum Studium der Elektrotechnik an und arbeitet bis dahin fünf Monate lang mehr als 20 Wochenstunden, gilt das trotz des Jobbens in der Überbrückungszeit als eine einheitliche Erstausbildung und der Kindergeldanspruch bleibt bestehen.

Auch wenn das Kind z.B. im Juni die Schule beendet hat und beginnt im September oder Oktober eine Lehre oder ein Studium, entsteht keine Lücke. Nimmt es sich aber eine längere Auszeit oder ist im Winter mit der Berufs- oder Studienwahl noch nicht in die Gänge gekommen, ist der Anspruch auf Kindergeld ab Juli bereits verloren. Gleiches gilt, wenn sich der Sohn oder die Tochter erstmals um einen Studienplatz bewerben, monatelang die Welt bereisen oder in der Ferne Obst ernten oder in Neuseeland Schafe scheren (III B 119/08).

Wenn sich aber der Nachwuchs um einen nahtlosen Anschluss zur Schulzeit bemüht, fließt das Kindergeld weiter. Aber es muss bei der Familienkasse mit Belegen nachgewiesen werden, z.B. durch Absagen, Belege der Bewerbungen etc. Keinen Förderstopp müssen Mütter und Väter befürchten, deren Kinder ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr absolvieren. Gleiches gilt, wenn 18 – 21-jährige Kinder arbeitslos gemeldet sind, aber nebenbei noch arbeiten. Hier ist allerdings Voraussetzung, dass der Job weniger als 15 Stunden pro Woche dauert (BFH, III R 9/14).

Quelle: SZ vom 22.11.2015 – Mehr vom Staat

 
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